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Warum heißt Ihre Firma ausgerechnet Carpegen, Frau Rötger?

(16.3.17) Rede und Antwort steht Antje Rötger, Geschäftsführerin des Service- und Forschungsunternehmens aus Münster, das im Dezember 2016 seine Real-Time-qPCR- Plattform Gyronimo für fünf Millionen Euro verkauft hat.
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© S.März

Das Carpegen-Team (stehend 2 v.r.: Antje Rötger)

Ja, erst vergangenen Dezember haben die Westfalen ihre gemeinsam mit dem Münsteraner Mechatronikunternehmen Systec entwickelte Plattform ans Molekulardiagnostikunternehmen Curetis (Holzgerlingen) verkauft! Und sobald Curetis das System erfolgreich in seine klinische Diagnostik integriert und zur Zulassung gebracht hat, winken weitere Millionenzahlungen.

 

Frau Rötger, bitte fassen Sie zusammen, was genau Ihre Firma macht.

Antje Rötger: Wir entwickeln dentaldiagnostische Tests auf molekularbiologischer Ebene, sprich DNA- und RNA-Nachweise mittels Real-Time-PCR. Im Rahmen der Entwicklung des Gyronimo-Systems haben wir uns auf die Point-of-Care-Diagnostik spezialisiert.

Das heißt, sie beschäftigen sich viel mit Zahngesundheit. Haben Sie Ihren eigenen Kit schon mal getestet?

Rötger: Sie meinen, bei uns selber? Ja klar. Wir haben hier einen Zahnarzt, der mit uns zusammen arbeitet. Dort gehen wir eh alle hin. Der nimmt dann hin und wieder testweise Proben. Glücklicherweise haben wir alle keine Parodontitis. Viele Proben bekommen wir daher über verschiedene Zahnärzte von Patienten mit schwerster Parodontitis, diese können wir zur Validierung nutzen. Ansonsten haben wir natürlich auch kultivierte Bakterien als Standards.

Was hat Sie an der Firmengründung gereizt? Oder anders herum gefragt: Was hat Sie davon abgehalten, zum Beispiel in die Grundlagenforschung zu gehen?

Rötger: Letzteres trifft eher zu: Ich hatte keine Lust mehr auf Grundlagenforschung. Forschung an der Uni ist oft zäh und publikationsgesteuert. Man sitzt manchmal Ewigkeiten an einem wissenschaftlichen Problem; das frustriert. Hier in der Firma hat man kurzfristigere Erfolge, kann schneller etwas anbieten, das schien mir attraktiver. Nach einer kurzen Episode in einem Laborbetrieb in Ibbenbüren konnte ich dann hier im Technologiehof Laborräume übernehmen.

Wie ist der Name Carpegen entstanden?

Rötger: Da gibt es eigentlich keine großartige Geschichte; die Bedeutung ist simpel: 'Carpe diem' heißt 'Nutze den Tag', also heißt Carpegen 'Nutze das Gen', und praktischerweise war der Name noch nicht vergeben. Das hat uns schon verwundert, weil es ja doch recht naheliegend ist. Unsere Patentanwältin sagte damals: „Manchmal sind die einfachsten Erfindungen die besten.“ Bei Markennamen ist das wohl auch so.

Was war bisher Ihr größter Coup?

Rötger: Gyronimo zu verkaufen! Das ist ja jetzt gerade erst passiert, das ist ein großer Firmenerfolg. Alle Patente gehören jetzt Curetis, aber bestimmte Bereiche haben wir über eine Rücklizenz behalten. So können wir Gyronimo auch weiterhin für nicht-klinische Themen nutzen, sprich für Dental- und Lebensmitteldiagnostika sowie Wasseranalytik.

Kommen wir erneut auf die Ursprung der Firmennamens zurück. Sie sind Geschäftsführerin, das ist sicherlich kein Nine-to-Five-Job. Gibt es für Sie am Ende des Tages nach 'Carpegen' auch 'Carpe diem'?

Rötger: Durchaus. Am Anfang war das schon weniger, aber inzwischen hat es sich entspannt. Wie in anderen Jobs ist aber auch hier die Arbeitsbelastung mal hoch, und dann gibt es Zeiten, wo man eher gehen kann. Eigentlich ist das gut machbar. Wenn ich Zeit habe, reite ich ein paar mal pro Woche. Ich habe ein eigenes Pferd. Das ist schon ein sehr zeitaufwändiges Hobby, damit bin ich gut beschäftigt.

Die Fragen stellte Sigrid März

Steckbrief der Carpegen GmbH:

Gründung: 2001

Sitz: Münster (Westfalen)

Mitarbeiter: Sechs Festangestellte und zwei studentische Hilfskräfte

Produkt: Molekularbiologische Dentaldiagnostik

 

(übrigens: in Laborjournal 1/2017 erschien auf den Seiten 48-49 ein Firmenportrait der Münsteraner Firma)



Letzte Änderungen: 22.03.2017

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