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Buchbesprechung

Daniel Weber




Charles Foster:
Der Geschmack von Laub und Erde. Wie ich versuchte, als Tier zu leben.
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: Malik (12. Januar 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3890292623
ISBN-13: 978-3890292625
Preis: ab ca. 17 Euro (Gebundene Ausgabe), 16 Euro (Audio-CD)

Ein Leben als Mops ist sinnlos, aber möglich. (frei nach Loriot)

Im Selbstversuch bemüht sich ein Brite herauszufinden, wie ein Tier fühlt, lebt und seine Umwelt wahrnimmt. Da wäre deutlich mehr gegangen, mäkelt unser enttäuschter Rezensent.

Das Vorwort von Charles Fosters Der Geschmack von Laub und Erde endet mit einer Entschuldigung: Der Autor hatte gehofft, ein Buch zu schreiben, „in dem nichts oder nur wenig von meiner Person aufscheint. Diese Hoffnung war naiv (...). Tut mir leid!“ (Seite 14). Diese Worte erinnerten den Rezensenten an die Schulzeit, als unter dem Deutschaufsatz stand: Thema verfehlt – ungenügend! Doch während sein Deutschaufsatz glücklicherweise nicht veröffentlicht wurde, schaffte es Fosters Werk in die internationalen Bestsellerlisten – trotz oder wegen des abwegigen Themas: Der ausgebildete Tierarzt, Anwalt und Dozent in Oxford beschließt in einem Selbstversuch, wie ein Tier zu leben – genauer wie ein Dachs, ein Otter, ein Fuchs, ein Rothirsch und ein Mauersegler. Nun ja, die Engländer halt...


Auf dem Dach eines Wohnhauses in Albertshausen, Nordhessen: Waschbär, der versucht, wie ein Mensch zu leben. Foto: Carsten Volkwein

Als Dachs verspeist der Autor fleißig Regenwürmer und stellt fest, dass diese ein ausgeprägtes Terroir besitzen (eine Bezeichnung aus der französischen Sprache, die keine deutsche Übersetzung besitzt; Weinliebhaber benutzen sie, um den speziellen Einfluss einer Region auf den Weingeschmack zu benennen). Würmer aus unterschiedlichen Gegenden schmecken offenbar auch unterschiedlich, aber alle „nach Schleim und Erde“ (Seite 44). Foster beschreitet sein Experiment aber nicht alleine; er bekommt teilweise Unterstützung von seinen Kindern, die sich mit ihm zusammen draußen herumtreiben und beispielsweise wie die Otter das Revier mit ihrem Kot markieren, während seine Gattin dafür weniger zu begeistern ist. Auch Freund Burt unterstützt ihn, beispielsweise durch die Fütterung mit Fischfrikadellen: „Ist geschummelt, ich weiß“, muss Burt gestehen, bietet aber an: „Zum Ausgleich komme ich später noch mal vorbei und hetze die Hunde auf euch. Und dann gehen wir zur Straße rauf, und ich versuche, euch zu überfahren“ (Seite 54).

Letzten Endes muss Foster aber sein Scheitern als Dachs, Otter, Fuchs, Rothirsch und (nicht so überraschend) als Mauersegler eingestehen. Es gelingt ihm zu seiner eigenen Unzufriedenheit nie, ein Tier zu sein – was im Übrigen auch der passendere Originaltitel des Buchs ist: Being a Beast.

Überzeugt nicht so recht

Dem Rezensenten gelang es nicht, Foster auf seinem Weg als Tier gedanklich zu begleiten. Erstens lebt der Engländer nie durchgehend als Tier, sondern immer nur in Teilzeit – anders als zum Beispiel A. J. Jacobs, der für sein Buch Die Bibel und ich ein komplettes Jahr wortwörtlich nach den Gesetzen der Bibel lebte. Foster hingegen erweckt den Eindruck, dass er sich immer nur für einen gewissen Zeitabschnitt in eine Erdhöhle zurückzieht.

Zweiter Grund für eine gewisse Ernüchterung ist Fosters Schreibstil. Dieser schreibt meist sachlich und streckenweise distanziert, sodass der Rezensent die Eindrücke und

Erfahrungen Fosters nicht „hautnah“ miterleben konnte. Dass der Autor es durchaus besser kann, beweist er zwischendurch, wenn er beispielsweise schreibt „Wir werden stets und ausschließlich von Prozessen am Leben gehalten, die ohne unser Zutun ablaufen. Wenn man eine Herzzelle auf einen Objektträger legt, zieht sie sich weiterhin im Takt des Stocks eines toten Dirigenten zusammen, der nicht einmal wusste, dass er dirigierte“ (Seite 187). Das ist Poesie! Leider eben viel zu selten.

Und drittens handelt das Buch viel zu häufig nicht über die jeweiligen Tiere, sondern über Charles Foster selber – Being Charles Foster wäre also der treffendere Buchtitel gewesen. Und dafür entschuldigt sich der Autor wie erwähnt im Vorwort.

So bleibt beim Rezensenten ein recht gemischtes Gefühl zurück; so, als würde man Burgunder und Bordeaux miteinander mischen. Eigentlich schmeckt einer wie der andere, andererseits überzeugt es nicht im Abgang – ein eigenartiges Terroir, würde der Dachs bei der Weinverkostung vermutlich denken. Vielleicht müsste sich der Leser aber auch nur mehr auf das Buch einlassen. Doch das fällt wegen der genannten Gründe schwer.







Letzte Änderungen: 09.11.2017


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