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Tumoren, Steine und Viagra

Zitationsvergleich 1998 bis 2000: Urologie
von Ralf Neumann, Laborjournal 6/2003


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Respekt vor den Österreicher Urologen. Zusammen mit ein paar starken Basler Uro-Pathologen laufen sie den deutschen Kollegen klar den Rang ab.

"Keine Angst vor Schmerz und Leid
Dein Urologe ist stets bereit.
Niere, Blase Prostata,
dein Urologe ist immer für Dich da."

... so heißt es in dem 95er-Song "Wir sind bereit" der Mannheimer Uroband, einer Comic-Rock-Band aus lauter damaligen Mitgliedern der Mannheimer Urologie rund um den heutigen Heilbronner Klinikdirektor Jens Rassweiler. Dies jedoch ist eine andere Geschichte, und soll auch bald in Laborjournal erzählt werden.

Eines verraten die Zeilen jedoch bereits: Die Urologie gilt als die Lehre von Funktion und Erkrankungen der harnproduzierenden und harnableitenden Organe – schließt also Niere, Harnleiter, Blase und Harnröhre sowie die Genitalien des Mannes ein. Und damit sind die Urologen gut abgegrenzt. Allenfalls der ein oder andere Pathologe drängt da noch als "Uro-Pathologe" hinein, oder ein Onkologe hat sich Tumoren der betreffenden Organe als Modell für seine Forschungen gewählt.


Überschneidungen in der Niere

Bleibt nur noch eine Überschneidungszone mit den Nephrologen, je weiter sich die Urologen in die Niere hinein wagen. Dies geschieht vor allem im Zusammenhang mit dem Nierenzellkarzinom, das ureigentlich die Nephrologen für sich beanspruchen, dass aber dennoch auch für manchen Urologen Thema ist – des öfteren gar in Form nephrologisch-urologischer Kooperationen.

Die großen urologischen Themen sind denn natürlich auch Tumoren: Sämtliche der zehn meistzitierten Paper der Jahre 1998-2000 aus dem deutschsprachigen Raum haben entsprechende Krebserkrankungen zum Thema – allen voran der Postatakrebs, dann aber auch Blasenkrebs und das bereits erwähnte Nierenzellkarzinom. Ginge man die Liste der gut zitierten Paper noch weiter nach unten, dann fände man als etwas weniger gut zitierte Themen natürlich noch Blasen- und Nierensteine, erektile Dysfunktion, Viagra, einige Harnwegsentzündungen sowie Inkontinenz als dominierendes neurourologisches Thema.


Problem "Paper Nummer eins"

Die Top Ten-Liste für die meistzitierten Paper der Jahre 1998-2000 hat aber ein Problem. Und das befindet sich ausgerechnet auf Platz eins. Mit Abstand am häufigsten zitiert steht dort das inzwischen aus unrühmlichen Gründen weithin bekannte Nature Medicine-Paper zur Vakzinierung mit Zellhybriden gegen Nierenzellkarzinom. Erstautor ist Alexander Kugler, Letztautor sein "Chef" Rolf H. Ringert, Direktor der Göttinger Urologischen Klinik. Dem Paper ist, wie bereits mehrfach berichtet, nicht mehr zu trauen. So viele Ungereimtheiten fielen auf, dass Kugler inzwischen wissenschaftliches Fehlverhalten bescheinigt wurde, den übrigen Autoren dagegen zumindest ein Verstoß gegen die gute wissenschaftliche Praxis vorgeworfen wurde. Das Paper ist dennoch bis heute nicht zurück gezogen und wird bis heute weiter zitiert – in den letzten zwei Monaten knapp zwanzig Mal. Klar aber daher, dass wir die Zitierungen des Papers den Autoren nicht gutschreiben konnten.


Starke Innsbrucker

Nun aber zum eher angenehmen Teil. Unmittelbar fällt das enorm gute Abschneiden der österreichischen Urologen auf: Ganze 19 Forscher bringen sie unter die Top 50 – davon 13 allein aus Innsbruck. Der Chef der dortigen Urologie, Georg Bartsch, führt denn auch auf Platz fünf die " österreichische Riege" an. Und alles in allem scheint zumindest damit ein wenig nachvollziehbar, dass kürzlich bei der Verleihung eines US-Preises an Bartsch der Laudator dessen Klinik als die beste Europas lobte.

Die vier Spitzenplätze vor Bartsch belegen allesamt Schweizer Kollegen aus Basel. Dies ist indes vor allem ein Verdienst der starken dortigen Pathologie, die auch ein paar ausgewiesene Uropathologen beschäftigt. Drei von ihnen – Guido Sauter, Peter Schraml und Lukas Bubendorf – belegen denn auch in dieser Reihenfolge die ersten Plätze. Völlig unproblematisch ist das jedoch nicht, da sie den Löwenanteil ihrer Zitierungen durch Beiträge zur Entwicklung von Microarrays für die Diagnose aller möglichen Tumoren sammelten. Als nicht direkt urologische Veröffentlichungen erscheinen diese daher nicht in der Liste der meistzitierten Paper – den "uropathologischen" Autoren schrieben wir sie natürlich zu.

Auf Platz vier dann als bester "purer" Urologe Thomas Gasser, der als Chef der "Urologischen Klinik beider Basel" natürlich auch eng mit den Kollegen aus der Pathologie zusammen arbeitet. Jan Richter (13.) und Niels Willi (16.), wiederum zumindest während des Bewertungszeitraums in der Pathologie beschäftigt, komplettieren die Liste der Basler.


Bescheidene Deutsche Die besten deutschen Kollegen folgen mit dem Hannoveraner Klinikdirektor Udo Jonas sowie seinem Berliner Kollegen Stefan A. Loening auf den Plätzen 9 und 10. Und mit einfacher Mathematik wird aus dem bisher Gesagten schnell klar: Nur 25, also genau die Hälfte der gesamten Urologen-Liste, arbeiteten im Bewertungszeitraum an deutschen Kliniken und Instituten.

So schlecht schnitten deutsche Forscher im Vergleich mit ihren alpenländischen Kollegen bisher in keiner anderen biomedizinischen Disziplin ab.


KORREKTUR

Im Zitationsvergleich "Urologische Forschung" ermittelten wir zwar den Chef der Urologischen Klinik an der Charité, Stefan Loening, auf Platz 10, prüften jedoch seine Mitarbeiter nicht eingehend genug. Die Konsequenz: Wir übersahen gleich drei Charité-Urologen, deren Zitierungen für eine Platz unter den Top 50 gereicht hätten: Klaus Jung hatte etwa vier Wochen nach dem Stichtag 363 Zitierungen mit 34 Artikeln und hätte damit etwa Platz 9 belegt; Dietmar Schnorr kam auf 269 Zitierungen mit 29 Artikeln und wäre etwa auf Platz 19 gelandet; Michael Lein wurde bis dahin mit 24 Artikeln 226mal zitiert und hätte sich damit etwa auf Platz 31 platziert. Wir entschuldigen uns für das Übersehen.


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Letzte Änderungen: 08.09.2004


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