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"Blühendes Feld"

Zitationsvergleich 2000 bis 2002: Pflanzenforschung
von Ralf Neumann, Laborjournal 04/2005


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Der Zitationsvergleich zeigt deutlich: Im Gegensatz zur Grünen Gentechnologie blüht hierzulande die pflanzliche Grundlagenforschung geradezu.

Dem Pflanzenforscher könnte es ein Leitspruch sein: Sollen Forscherkollegen Dich oft zitieren, musst Du mit Arabidopsis experimentieren. Und tatsächlich: Acht der zehn meistzitierten Artikel der Jahre 2000-2002 mit Beteiligung aus dem deutschen Sprachraum sammelten ihre Daten nahezu ausschließlich aus der Ackerschmalwand - nur bei der Wiener Veröffentlichung auf Platz drei kam noch ein wenig Tabak hinzu.

Bleiben noch zwei veröffentlichungen, in denen Arabidopsis gar keine Rolle spielte: Einmal die Nummer acht aus dem Jenaer MPI für chemische Ökologie, in der es um Abwehrmechanismen wiederum beim Tabak geht; und zum anderen ausgerechnet die Nummer eins - das viel diskutierte Science-Paper um den Provitamin A-aufgerüsteten sogenannten "Goldenen Reis" der Gruppen um den Zürcher Emeritus Ingo Potrykus und dem Freiburger Zellbiologen Peter Beyer.

Letzteres gehört nach einer vorläufigen Analyse sogar weltweit zu den meistzitierten Pflanzen-Artikeln der Jahre 2000-2002. Nur das Reisgenom-Paper aus dem Jahr 2002 (Goff SA et al., Science 296: 92-100) wurde bis heute deutlich häufiger zitiert, sowie ein weiteres über die Schädlingsabwehr von Arabidopsis nur knapp häufiger (Schenk PM et al., PNAS 97: 11655-11660).


Angelsächsische Importe

Dies ist indes nur ein Indikator, dass es um die Pflanzenforschung in Deutschland, Österreich und der Schweiz recht gut bestellt scheint. Denn nicht nur an der Spitze, sondern auch in der Breite ist das Zitationsniveau sehr hoch. Dass über 130 Zitierungen notwendig sind, um unter die zehn meistzitierten Artikel zu kommen - das schafften viele andere vermeintlich zitierträchtigere Disziplinen nicht. Man vergleiche etwa mit der Virologie in LJ 03/2005.

Gleiches gilt für die "Köpfe", wo man schon über 300 Zitierungen brauchte, um in die Top 50 zu kommen. Resultat dieses Wettbewerbs auf hohem Niveau: Den Namen des einen oder anderen renommierten Pflanzenforschers sucht man vergeblich in der Liste, da deren entsprechende Zitierungen zumindest in diesem Analysezeitraum nicht ausreichten. Der Erlanger Norbert Sauer wäre hier etwa zu nennen, genauso wie der Golmer Max Planck-Direktor Mark Stitt oder Dierck Scheel vom Institut für Pflanzenbiochemie (IPB) in Halle. Nicht einmal der frisch gebackene Leibnizpreisträger Christian Jung von der Uni Kiel sammelte mit seinen Veröffentlichungen 2000-2002 genug Zitierungen für die Top 50. Auch dies letztlich ein Indiz für das gute Niveau der Pflanzenforschung hierzulande.

Ein weiteres Indiz offenbart sich, wenn man die Namensliste der Top 50 durchgeht: Auffallend viele ausländische Namen sind vertreten - und bei weitem nicht nur Postdocs, sondern auch auf Lehrstühlen und Direktorenposten. Das kann man wohl durchaus so interpretieren, dass die deutschsprachige Pflanzenforschung eine Qualität besitzt, die auch gute Leute aus dem Ausland anzieht. Die Mehrheit davon kommt gar aus England und den USA - eine absolute Ausnahme unter den Biodisziplinen. Beispiele sind die drei Direktoren am Jenaer MPI für chemische Ökologie: Ian Baldwin (5.), Thomas Mitchell-Olds (6.) und Jonathan Gershenzon (25.). Oder die Gruppenleiter am Golmer MPI für molekulare Pflanzenphysiologie, Richard Trethewey (11.) und Alisdair Fernie (32.). Von Seiten der Universitäten wäre etwa der Düsseldorfer William Martin (19.) zu nennen.

Auch in dieser Aufzählung spiegelt sich indes wider, dass die Spitze der deutschen Pflanzenforschung stark von pflanzenwissenschaftlichen Gruppen der Max-Planck-Gesellschaft dominiert wird: insbesondere an den beiden erwähnten Instituten in Jena und Golm, sowie dem MPI für Züchtungsforschung in Köln. Dazu kommen noch einzelne pflanzenwissenschaftlich ausgerichtete Gruppen am Kölner Max-Delbrück-Laboratorium der MPG, die pflanzenökologische Abteilung um Ernst-Detlef Schulze (16.) am Jenaer MPI für Biogeochemie, sowie insbesondere noch die Abteilung von Detlef Weigel (4.) am MPI für Entwicklungsbiologie in Tübingen. 12 der 15 meistziterten Pflanzenforscher arbeiteten zumindest einen Teil des Bewertungszeitraums an einer dieser Max Planck-Einrichtungen.

Unterbrochen wird diese Phalanx lediglich durch den Würzburger Rainer Hedrich auf Platz 13, sowie ausgerechnet auf den beiden Top-Postionen: Noch mehr Zitate als der meistzitierte Max-Planck-Forscher Lothar Willmitzer aus Golm (3.) sammelten der Basler Pflanzenphysiologe Thomas Boller (2.) und - auf dem Spitzenplatz - der Tübinger Gerd Jürgens, Leiter der Abteilung "Entwicklungsgenetik" am dortigen Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen (ZMBP).


Und es wird noch mehr

Dort jedoch - und das trübt ein wenig die postive Stimmung - hat die deutsche Pflanzenforschung indes gerade einen ihrer zweifelsfrei besten Köpfe verloren: ZMBP-Mitinitiator und Leibniz-Preisträger Wolf Frommer (20.) ging 2003 nach Stanford/Kalifornien an die Carnegie Institution of Washington.

Bleiben noch die Schweiz und Österreich. Neben Thomas Boller schafften es noch neun weitere Forscher aus Zürich und Basel unter die Top 50 - ebenfalls ein Beleg für den Stellenwert, den die Pflanzenforschung dort hat. Aus Österreich dagegen schaffte als Einziger der Wiener Heribert Hirt (48.) gerade den Sprung in die Liste. Allerdings hofft man dort, mit dem 2003 frisch eingerichteten Gregor Mendel-Institut für molekulare Pflanzenbiologie, an dem auch Hirt inzwischen arbeitet, die Grundlage für einen baldigen Schub gelegt zu haben.


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Letzte Änderungen: 10.05.2005


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