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Muskeln und Röhren

Zitationsvergleich 2000 bis 2003: Herz- & Gefäßforschung
von Lara Winckler, Laborjournal 09/2006


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Über fünfzig Prozent der Todesfälle in den Industrienationen sind auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen. Entsprechend groß ist das Interesse an Ursachen von Krankheiten wie Atherosklerose und Herzinfarkt, und an möglichen Therapien.

Das Herz wurde bereits von unseren höhlenbewohnenden und -bemalenden Urahnen als wichtiges und sehr empndliches Organ ausgemacht. Chinesen, Griechen, Römer und Araber befassten sich ausführlich mit Herz und Blutgefäßen. Schon im 2. Jahrhundert war bekannt, dass die Blutgefäße Blut transportieren, doch erst tausend Jahre später beschrieb der arabische Arzt Ibn an-Nas den Kreislauf des Blutes durch die Lunge. Diese Beobachtung wurde 1628 in Europa von dem Engländer William Harvey wiederholt, der den Blutkreislauf erstmalig korrekt beschrieb.


Hochdruckkrankheiten

Im 19. Jahrhundert gab es neben zur Ader lassenden Modeärzten auch Mediziner wie Rudolf Virchow, die sich eingehend mit den Veränderungen der Gefäße beschäftigten. Man kannte bereits das Krankheitsbild der Angina pectoris, die Atherosklerose war schon Jahre zuvor beschrieben worden - Haupt-Todesursache waren jedoch Infektionskrankheiten wie Tuberkulose sowie Mangelernährung.

Bluthochdruck kann unterschiedliche Ursachen haben. In diesem Zitationsvergleich wird die arterielle Hypertonie betrachtet sowie die pulmonal-arterielle Hypertonie in den Arterien vom Herz zu den Lungenügeln, Forschungsfokus von Heinz-Peter Schultheiss (43.), Direktor der Klinik für Kardiologie und Pulmologie am Campus Benjamin Franklin in Berlin. Schultheiss untersucht unter anderem den Zusammenhang zwischen erhöhtem Plasma-Endothelin-Level und primärem Lungenhochdruck. Der Nieren-Bluthochdruck wird im Rahmen des “Nieren- und Hochdruckforschung”-Rankings betrachtet.


Entzündetes Endothel

Erst im 20. Jahrhundert gewann die Untersuchung von Herz und Blutgefäßen wegen des starken Anstiegs der Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen an Bedeutung. Ursachen waren unter anderem hoher Blutdruck, aber auch hohe Blutfette verbunden mit atherosklerotischen Veränderungen in Herz und Hirn.

Atherosklerose ist ein Forschungsthema der Arbeitsgruppe um Thomas F. Lüscher (3.), Direktor der Kardiologie am Unispital Zürich und einziger Schweizer im vorliegenden Zitationsvergleich. Er interessiert sich für Risikofaktoren wie Cholesterin, die entzündliche Veränderungen in der Gefäßwand auslösen.

Chronische Entzündung der Gefäßwand bei Atherosklerose, ausgelöst durch Akutphasenproteine wie das C-reaktive Protein, sind Forschungsschwerpunkt der Arbeitsgruppe um Andreas M. Zeiher (1.), Direktor der Klinik für Kardio- & Nephrologie an der Uniklinik Frankfurt. Er geht der Frage nach, ob Entzündungen, die etwa bei Rheuma in der Zirkulation auftreten, auch die Gefäße betreffen und bei akuten Koronarsyndromen eine Rolle spielen. Zeiher erforscht das Potential adulter Stammzellen zur Regeneration von Herzmuskelgewebe und Gefäßneubildung nach einem Herzinfarkt.

Hugo A. Katus (8.) von der Kardiologie an der Uni Heidelberg erforscht Ursache und Pathogenese von Kardiomyopathien. Mit dem Troponin-T-Bluttest hat Katus in den 80er Jahren die Herzinfarktdiagnostik revolutioniert.

Zeihers Mitarbeiterin Stefanie Dimmeler (2.) nutzt Endothel-Progenitor-Zellen, also Vorläuferzellen für das Gefäßendothel, um die Gefäßneubildung nach Ischämien anzuregen und wieder mit Sauerstoff zu versorgen. Dimmelers Mitarbeiterinnen Alexandra Aicher (7.) und Mariuca Vasa (50.) beschleunigen mit Statinen die Differenzierung dieser Vorläuferzellen. Mit insgesamt elf Wissenschaftlern aus den Arbeitsgruppen um Zeiher und Rudi Busse (14.) vom Institut für Kardiovaskuläre Physiologie an der Uniklinik ist Frankfurt die Nr. 1“ im Kardiologen-Städteranking.


Normale Zustände

Neben all den entzündlichen Gefäßveränderungen, Myopathien und Insufzienzen soll nicht vergessen werden, dass Herz und Blutgefäße durchaus auch ein “normales”, funktionierendes Leben führen können. Busse und seine Kollegen Ralf P. Brandes (35.) und Ingrid Fleming (46.) erforschen diesen “Normalzustand”, etwa die endotheliale NO-Synthase-Aktivität oder die Differenzierung von endothelialen Progenitorzellen in aktive Kardiomyozyten; letzteres in enger Zusammenarbeit mit der Gruppe Zeiher.

Eine weitere Forschergruppe befasst sich mit Gefäßbiologie: Dietmar Vestweber (45.) von der Vaskulären Zellbiologie am MPI für Molekulare Biomedizin in Münster - das ehemalige MPI für Vaskuläre Biologie - erforscht den Zusammenhalt zwischen Endothelzellen und die Interaktionen mit Matrix und Blutzellen.


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Letzte Änderungen: 15.09.2006


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