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Mit Haut und Haaren

Zitationsvergleich 2000 bis 2003: Hautforschung
von Lara Winckler, Laborjournal11/2006


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Die Hautforschung hat als eindeutiges Top-Thema die Erforschung und Behandlung des malignen Melanoms auserkoren, besonders Arbeitsgruppen an den Hautkliniken in Erlangen und Mainz tun sich dabei hervor. Doch es geht auch um andere Hautprobleme, wie etwa atopische Ekzeme und Psoriasis.

Die Dermatologie im deutschsprachigen Raum wird klar beherrscht von der Erforschung des malignen Melanoms, auch schwarzer Hautkrebs genannt. 26 der Top 50-Forscher beschäftigen sich mit der Untersuchung von Entstehung und Therapiemöglichkeiten von Melanomen und anderen Hautkrebsformen, wie Basalzellkarzinomen und Plattenepithelkrebs. Ebenfalls im Fokus liegen Autoimmunerkrankungen der Haut wie Schuppenflechte (Psoriasis) und atopische Ekzeme (Neurodermitis).


Melanom und Immunsystem

Vier der Top 10 zählen zu den Melanomforschern, allen voran Gerold Schuler (1.), Direktor der Uni-Hautklinik Erlangen-Nürnberg. Er wies vor Jahren nach, dass Dendritische Zellen (DZ) - die "Manager des Immunsystems” - erst einen Reifungsprozess durchlaufen müssen, bevor sie Immunantworten einleiten können. Die DZ stellen somit einen Schlüsselfaktor der Immunabwehr und möglicher Krebstherapien dar. Entsprechend der Hoffnungen, die man in sie setzt, belegen Artikel über DZ die ersten Plätze unter den meistzitierten Artikeln.

Zusammen mit seinen Mitarbeitern Eckhart Kämpgen (18.), Thomas Berger (24.), Manfred Lutz (32.) und Detlef Dieckmann (37.) hat Schuler DZ aus hämatopoetischen Vorläufern generiert, um mit diesen Immuntherapien etwa gegen Melanome zu entwickeln - dies in Kooperation mit den Mainzer Dermatologen Helmut Jonuleit (5.), Karsten Mahnke (10.) und bis 2003 auch Alexander Enk (4.), der mittlerweile Direktor der Unihautklinik Heidelberg ist. Die Würzburger Arbeitsgruppe um Eva-Bettina Bröcker (3.), Direktorin der Uniklinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten, und Jürgen Becker (34.) geht dem Melanom immunzytologisch und molekularbiologisch auf den Grund. Sie fanden heraus, dass bestimmte "small molecules” an der Entwicklung eines Tumors beteiligt sind, welche die Diagnose erleichtern und grundlegend sind für eine körpereigene Tumorabwehr.


Schuppen und Rötungen

Die Entstehung und Behandlung von entzündlichen Erkrankungen der Haut und ihrer Anhangsgebilde - also Haare, Fingernägel, Talg-, Schweiß- und Milchdrüsen - ist das Fachgebiet von immerhin achtzehn der Top 50. Das Hauptaugenmerk der Dermatologen gilt dabei chronisch entzündlichen und Autoimmunerkrankungen der Haut, wie atopische Ekzeme und Psoriasis.

Bernhard Homey (6.) von der Unihautklinik Düsseldorf erforscht in diesem Zusammenhang die Rolle von Keratinozyten-spezifischen Chemokinen und die Behandlung von atopischer Dermatitis mit dem Immunsuppressivum Tacrolimus; dies gemeinsam mit Percy Lehmann (46.) und Thomas Ruzicka (7.), der seit 2002 Direktor der Hautklinik an der LMU München ist. Alexander Kapp (11.) von der Hautklinik der Medizinischen Hochschule erforscht sowohl Hautkrebs als auch atopische Ekzeme und deren Behandlung mit Tacrolimus - womit er indirekt dem Verdacht Rechnung zollt, dass das Immunsuppressivum ebnfalls zu Krebs führen kann.

Auch andere Erkrankungen der Haut sind in diesem Zitationsvergleich vertreten, so untersucht etwa Reinhard Dummer (16.) von der Hautklinik Zürich primäre Hautlymphome und die Weißfleckenkrankheit (Vitiligo), Thomas Luger (29.) von der Hautklinik Münster erforscht unter anderem kutanen Lupus erythematodes und Pruritus (Juckreiz). Sein ehemaliger Kollege Thomas Schwarz (39.), seit 2004 Direktor der Hautklinik Kiel, untersucht Veränderungen der Haut durch Sonnenbrand und UV-induzierte Signaltransduktion.


Normale Umstände

Nur sehr wenige Forscher haben die "normale” Funktion der Haut im Blick, so etwa die Kieler Jens-Michael Schröder (23.), der die Mechanismen der Wundheilung untersucht, und Jürgen Harder (48.), der die angeborene Immunabwehr der Haut zum Thema hat. Nicht umsonst wurde die Kieler Hautklinik im März für die Erforschung der Schutzmechanismen der Haut ausgezeichnet.

Enno Christophers (8.), 2004 emeritierter Vorstand der Kieler Hautklinik, wurde gar mit dem Scientific Achievement Award der European Academy of Dermatology and Venerology (EADV) für seine Arbeiten über die angeborene Immunabwehr der Haut sowie die Pathogenese von Psoriasis ausgezeichnet.

Am Schluss sei noch angemerkt, dass sich die Top 50 der Hautforschung zu einem großen Teil - nämlich 22 Wissenschaftler - aus Direktoriumskreisen rekrutieren, unter denen sich mit Eva Bröcker auch eine Top 10-Wissenschaftlerin befindet.


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Letzte Änderungen: 19.01.2007


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