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Klonschwein, Zoonose und Rinderwahn

Zitationsvergleich 2002 bis 2005: Tiermedizin
von Lara Winckler, Laborjournal 12/2008


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Tiermedizin
©iStockphoto/lumenphoto

Sieben tiermedizinische Hot Spots fallen 2002 bis 2005 auf, allen voran München, dicht gefolgt von Wien. Erfreulich viele Top 50-Tiermediziner kommen aus der Schweiz, und auch Berlin, Hannover und das Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems behaupten sich. Wichtige Forschungsthemen sind die Herstellung von Klontieren, Infektionen von Nutztieren (und die Sicherheit von Lebensmitteln), Zoonosen wie die Tollwut sowie Erkrankungen durch Gendefekte bei Mensch und Tier.

Eine Publikationsanalyse von Tiermedizinern liest sich wie eine Auflistung der versammelten Life Sciences, von wenigen Ausnahmen mal abgesehen. Immunologen und Pharmakologen treffen hier mit Ernährungsmedizinern und Virologen zusammen, Molekularbiologen und Biochemiker sind auch dabei, und natürlich die Veterinärer der einzelnen tiermedizinischen Disziplinen - Veterinär-Anatomie, -Genetik, -Parasitologie und so weiter.

Unter Tiermedizinern einen sinnvollen Vergleich anzustellen, ist daher kaum möglich. In diesem Sinne ist auch diese Analyse zu verstehen: sie ist eine Auflistung, kein Vergleich wissenschaftlicher Leistungen.


Lange Geschichte

Die älteste veterinärmedizinische Hochschule im deutschsprachigen Raum ist die 1765 als "Lehrschule zur Heilung der Viehkrankheiten" gegründete Veterinärmedizinische Universität Wien. Noch immer spielt sie ein wichtige Rolle in der tiermedizinschen Forschung, unter anderem dokumentiert durch die hohe Zahl der vielzitierten Tiermediziner: Wien entsendet sieben der Top 50, darunter mit dem molekularen Evolutionsbiologen Christian Schlötterer (7.) einen der zehn Meistzitierten.

Der Wiener Tropenveterinärmediziner Hermann Unger (41.) veröffentlichte 2003 einen Artikel in Nature über die Reaktion des Immunsystems auf Virusinfektionen mit Influenza, den die Community auf Platz 2 hochzitierte.

Das meistzitierte Paper hat einen Berliner Coautor: Karsten Tedin (24.) vom Institut für Mikrobiologie und Tierseuchen der FU Berlin erforscht Moleküle, die intra- und extrazellulär Bakterienpeptide aufspüren.

1771 gründete der Göttinger Universalgelehrte Johann Christian Erxleben mit dem "Vieharzney-Institut" an der Uni Göttingen Deutschlands erstes Institut für Veterinärmedizin. Heute gibt es dort keine tiermedizinische Lehre mehr, doch es gibt noch Tiermediziner, die unter die Top 50 kommen: Bertram Brenig (47.), seit 1993 Direktor der Tierärztlichen Instituts, entdeckte vor einigen Jahren spezifische Nukleinsäuren im Serum von BSE-erkrankten Rindern und entwickelte daraus den - allerdings nicht zugelassenen - "Göttinger Lebendtest".

Der Glykobiologe Hans-Joachim Gabius (1.) übernahm 1993 die Leitung des Instituts für Physiologische Chemie an der Veterinärmedizin der LMU München. Zusammen mit Sabine André (2.) und Herbert Kaltner (3.) befasst sich Gabius mit der Bedeutung von Lektinen für Embryonalentwicklung und Tumorwachstum.

Die Arbeitsgruppe um Eckhard Wolf (4.), Leiter des Lehrstuhls für Molekulare Tierzucht und Haustiergenetik, LMU München, erzeugt transgene Schweine als Organvorratskammer für die Xenotransplantation. Wolf stellte seinerzeit zusammen mit Valeri Zakhartchenko (21.) Uschi her, das erste aus erwachsenen Körperzellen geklonte Kalb in Deutschland.

Zehn der 50 meistzitierten Tiermediziner forschten 2002 bis 2005 zumindest zeitweise in München - die bayrische Landeshauptstadt führt damit das Städteranking an.


Mensch und Tier

Miodrag Stojkovic (9.) war am Institut für Molekulare Tierzucht der LMU München für die in vitro-Produktion von Rinder-Embryos zuständig. Er wechselte nach Newcastle upon Tyne, UK, um auch an menschlichen Stammzellen zu forschen. 2006, inzwischen am Prinz Felipe Forschungszentrum in Valencia, klonte er als erster europäischer Forscher menschliche Zellen zur Bekämpfung von Diabetes mellitus.

Am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, Insel Riems, arbeiten die Forscher um Thomas Mettenleiter (5.) an der Aufklärung der molekularen Abläufe von Herpesvirus-Infektionen bei Tieren. Mettenleiters Mitarbeiterin Barbara Klupp (26.) ist eine von nur sechs Frauen unter den Top 50.

Auch in der Landwirtschaft spielt die Veterinärmedizin eine große Rolle. Bei den Biotechnologen um Heiner Niemann (17.), Tierzucht und Tierverhalten am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) für Nutztiergenetik in Neustadt-Mariensee, geht es unter anderem um Effizienzsteigerung, Qualitätssicherung, Reproduktionsbiologie sowie Erhaltung genetischer Diversität bei landwirtschaftlichen Nutztieren.


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Letzte Änderungen: 10.06.2009


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