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Viele Nicht-Mediziner

Zitationsvergleich 2003 bis 2006: Mikrobiologie
von Lara Winckler, Laborjournal 06/2009


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Die Medizinischen Mikrobiologen dominieren nicht mehr die Top 50 – sie halten sich mittlerweile die Waage mit Meeres- und Bodenmikrobiologen.

Die Mikrobiologen erforschen alle Lebewesen, die einzeln mit bloßem Auge nicht mehr erkannt werden können: Bakterien, Protozoen, Pilze, Mikroalgen und Viren.

In diesem Vergleich betrachten wir nur die Mikrobiologen, die sich hauptsächlich mit der Erforschung der Archae- und Eubakterien befassen. Pilz-, Hefe- und Protistenforscher haben eigene Publikations­analysen. Auch die Virologen, die sich manchmal mit den medizinischen Mikrobiologen das Institut teilen, bleiben außen vor – sie hatten ihren Vergleich bereits im April (siehe LJ 4/2009).

Schwierig wird die Abgrenzung zu den Immunologen und einigen Medizinern. Ist beispielsweise die Erforschung der Mikroben-Wirt-Interaktionen noch auf die Bakterien fokussiert, oder interessiert in erster Linie die Immunabwehr auf eine Infektion?

Hat man glücklich eine engere Auswahl beisammen, bleiben immer noch zahlreiche Gruppen übrig: Neben der Medizinischen Mikrobiologie gibt es unter anderem die Lebensmittel- und Technische Mikrobiologie, die sich etwa mit Bierbrauen, Auswirkung von Bakterien auf Lebensmittelqualität und Gesundheit, Herstellung probiotischer Kulturen sowie Fleisch- und Getreidekontrolle befassen; die Geo­mikrobiologie, die den Einfluss mikrobieller Stoffwechselvorgänge auf die Beschaffenheit der Erdkruste untersucht, und die Meeres- und Bodenmikrobiologie. Und natürlich ist da die „klassische“ Mikrobiologie, welche die Bakterien an sich zum Thema hat - Stoffwechsel, Proteinbiosynthese, Vermehrung und so weiter.

Letzte Unsicherheiten in der fachlichen Einordnung eines Wissenschaftlers räumt die Wahl der Zeitschriften aus, in denen er in erster Linie veröffentlicht. Die Forscher sollten einen deutlichen Anteil ihrer Artikel in mikrobiologischen Journals veröffentlicht haben. Dies war zum Beispiel bei Mark Achtman (17.) vom MPI für Infektionsbiologie Berlin der Fall, nicht jedoch bei seinem Institutsdirektor Stefan Kaufmann, der in den Jahren 2003 bis 2006 in erster Linie in immunologischen Zeitschriften veröffentlichte.


Medizinische Artikel in der Überzahl

Mikrobiologen, die an potenziell pathogenen Bakterien forschen – Helicobacter, Pseudomonas oder Staphylococcus gehören dazu – können mit vielen Zitierungen rechnen. Und so überrascht es wenig, dass sieben der zehn meistzitierten Mikrobiologie-Artikel in diese Kategorie fallen. Platz 1 zählt nicht dazu. Die Arbeitsgruppen um den Greifswalder Michael Hecker (4.) und die Heidelbergin Elke Deuerling (20.), damals noch Bayreuth, stellten in internationaler Zusammenarbeit die Minimal-Ausstattung vor, mit der ein Bakterium überleben kann. Dass Bacillus subtilis Pathogenen wie den Staphylokokken, Listerien und Mykobakterien phylogenetisch nahesteht, macht B. subtilis interessant, spielt hier aber bestenfalls am Rande ein Rolle.

Bei den 50 meistzitierten Mikrobiologen im deutschsprachigen Raum ist das Verhältnis ein anderes: Nur rund die Hälfte arbeitet an medizinischen Themen, etwa an Helicobacter wie der Münchner Bakteriologe Rainer Haas (36.) oder Sebastian Suerbaum (43.) von der MH Hannover. Andere erfoschen die Interaktion zwischen Krankheitserreger und Wirt wie Ingo Autenrieth (23.) oder Tuberkuloseforscher Stefan Niemann (21.).

Die andere Hälfte, darunter der größte Teil der Top 10, forscht an mikrobiellen Gemeinschaften im Boden, wie zum Beispiel die Marburger Michael Friedrich (19.) und Ralf Conrad (39.), an methanotropen und anderen Meeresbakterien, wie die Bremer Rudolf Amann (1.) und Antje Boetius (27.), eine der vier Frauen unter den Top 50. Andere wiederum entschlüsseln Genom und Stoffwechsel von Bakterien, um sie für die Sekundärstoffproduktion einzusetzen, wie der Pharmazeut Rolf Müller (35.).


Universitäre Gruppen behaupten sich

Auffällig ist auch das Verhältnis von universitärer zu nicht-universitärer Forschung: dreizehn der Top 50-Mikrobiologen forschten zwischen 2003 und 2006 an einem Max-Planck-Institut, allein fünf am MPI für Marine Mikrobiologie Bremen, darunter der Meistzitierte, Rudolf Amann.

Vier der Wissenschaftler arbeiteten an Instituten der Helmholtz-Gemeinschaft, wie Manfred Rohde (10.), HZI Braunschweig, oder Mikrobenökologe Michael Schloter (41.), GSF Neuherberg. Drei wurden von der Leibniz-Gemeinschaft finanziert, wie Erko Stackebrandt (12.), Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen (DSMZ) Braunschweig, und Stefan Niemann (21.) vom Nationalen Referenzzentrum für Mykobakterien am Forschungszentrum Borstel.

Bleiben rund 30 Wissenschaftler unter den Top 50, davon 5 unter den Top 10, die mit den vergleichsweise knappen Mitteln der Universitäten forschten – bei dieser Konkurrenz ein guter Schnitt.


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Letzte Änderungen: 30.07.2009


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