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Volkskrankheiten

Zitationsvergleich 2004 bis 2007: Herz- und Gefäßforschung
von Lara Winckler, Laborjournal 10/2010


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Foto: iStock/savaseris

Die „Hotspots“ der deutschsprachigen Herz- und Gefäßforschung, München, Frankfurt und Leipzig, stellen knapp ein Drittel der Top 50. Auch die Schweiz schlägt sich gut und Österreich ist endlich mit von der Partie.

Herz- und Gefäßforscher untersuchen Struktur, Funktion und Erkrankungen sowie mögliche Therapien von Herz und Blutgefäßen. In dieser Publikationsanalyse sind daher vor allem Kardiologen gelistet, hinzu kommen einige Angiologen, Physiologen, Pharmakologen, Arterioskleroseforscher und vaskuläre Biologen.

Nicht mit dabei sind die Hämatologen. Die Erforschung der Bestandteile des Bluts, etwa der Leukozyten, fällt in das Metier der Immunologen, die Pathologie derselben ist Sache der Onkologen, speziell der Leukämieforscher. Ebenfalls außen vor gelassen wurden die Chirurgen unter den Herzspezialisten, die auch in erster Linie in entsprechenden Chirurgen-Fachzeitschriften veröffentlichen. Obwohl die Kategorisierung in der Datenbank ISI-Web of Science des Thomson-Instituts in Philadelphia nicht immer eindeutig ist, liefert hier auch die Anzahl der Surgery-Artikel einen Hinweis darauf, wo die Wissenschaftler ihre Leser vermuten.

Bluthochdruck, Arteriosklerose und Herzinfarkt sind nach wie vor Hauptthemen, wobei wir zwischen der kardiovaskulären und der renalen Hypertonie unterscheiden. Letztere entsteht durch Nierenfehlfunktion und findet im Nephrologen-Ranking Beachtung; Nierenforscher werden in diesem Vergleich daher nicht berücksichtigt.


Herzinfarkt und Stammzellen

Die Dominanz der einzelnen Fachgebiete spiegelt sich in den zehn bis heute meistzitierten Artikeln aus den Jahren 2004 bis 2007 wider: Die Plätze 1 und 2 etwa behandeln Herzinsuffizienz und Herzinfarkt; Erland Erdmann (5.) sammelte als einziger deutschsprachiger Koautor in internationalen Teams mit diesen beiden sowie einer Reihe weiterer klinischer Studien den größten Teil seiner Zitierungen.

Große Aufmerksamkeit fanden auch Artikel zu Durchblutungsstörungen, etwa der Herzkranzgefäße (Akutes Koronarsyndrom) sowie Arteriosklerose-verursachter Gefäßverschluss (Atherothrombose). Vier der zehn meistzitierten Artikel berichten über den Einsatz von Medikament-freisetzenden Stents oder vergleichen verschiedene Thrombose-Medikamente miteinander. Dazu gehören etwa die Thrombozytenaggregationshemmer Acetylsalicylsäure und Prasugrel, Blutgerinnungshemmer wie Clopidogrel (Sanofi-Aventis) oder auch Immunsuppressiva wie Sirolimus (Wyeth).

Ein besonders heißes Thema ist der Einsatz endothelialer Vorläuferzellen aus dem Knochenmark der Patienten zur Regeneration von Herzinfarkt-geschädigtem Gewebe. 2001 erntete der Düsseldorfer Herzmediziner Bodo Strauer, einer der Pioniere der autologen Stammzelltherapie, noch große Skepsis mit dieser Methode, mittlerweile ist sie etabliert. Mehrere Teams arbeiten mit Stammzellen und platzierten entsprechende Artikel unter den Top10. Darunter sind der Homburger Kardiologie Michael Böhm (9.), sein ehemaliger Kollege Georg Nickenig (20.) sowie die Wissenschaftler um den im September 2009 viel zu früh gestorbenen Herzinfarktspezialisten Helmut Drexler (6.). Den Zeichen der Zeit folgend gründeten die Frankfurter Andreas Zeiher (2.) und Stefanie Dimmeler (3.) 2005 die Firma t2cure, nachdem sie mehrere Jahre an der Entwicklung einer Stammzell-basierten Therapie bei Herzinfarkt gearbeitet hatten (Firmenporträt siehe LJ 5/2009, Seite 48). Ein kürzlich erschienene Studie scheint die Wirksamkeit ihrer Stammzelltherapie zu bestätigen (Circulation Heart Failure 2010, 3(1):89).

Wie schon in der Publikationsanalyse­ Gastroenterologie & Hepatologie (LJ 9/2010)­ fällt auch bei den Herz- & Gefäßforschern zuerst die Flut an Publikationen auf. Einige der Top-Platzierten haben ihre Konkurrenten in dieser Analyse unter anderem durch die schiere Menge an Veröffentlichungen aus dem Feld geschlagen, wie etwa Hugo Katus (15.), Direktor der Heidelberger Kardiologie. Dennoch erreicht er mit seinen Artikeln aus den Jahren 2004 bis 2007 einen Hirsch-Index von 24, die Top 3 kommen sogar an einen Wert von 40 – das heißt dass 40 ihrer Artikel bis heute mindestens vierzigmal zitiert wurden.

Vier Hotspots finden sich in der deutschsprachigen Herz- & Gefäßforschung – acht der Top 50 arbeiteten zwischen 2004 und 2007 in München, sechs an der Frankfurter Kardiologie und vier am Leipziger Herzzentrum. Drei forschten am Swiss Cardiovascular Centre in Bern. Mit den Gefäßmedizinern Erich Minar (25.) und Martin Schillinger (48.) sind erstmals auch Österreicher unter den Top 50 vertreten.


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Letzte Änderungen: 20.10.2010


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