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Prostata!

Zitationsvergleich 2005 bis 2008: Urologie
von Lara Winckler, Laborjournal 07/2011


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Früher Kontakt zum männlichen „Angstdrüse“. Foto: Michael Bamberger

Starke Schweizer und Österreicher, Prostatakrebs als Topthema und wenige Frauen kennzeichnen die Top 50-Urologen.

Die deutschsprachige Urologie der Jahre 2005-2008 hatte ein klares Lieblingsthema: Krebs. Der Nieren, der Blase und vor allem der Prostata. Damit folgen sie gleich in mehrfacher Hinsicht dem Trend der Zeit.

Prostatakrebs ist der häufigste bösartige Tumor und in Deutschland die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache bei Männern. Kein Wunder, dass er Forscher und Community gleichermaßen fasziniert. Außerdem erntet Krebs in jeder Disziplin viel Aufmerksamkeit, hier sicherlich mehr als vergleichsweise harmlose, gutartige Prostatavergrößerungen. Gute 60 Prozent der bis heute meist­zitierten deutschsprachigen Urologen der Jahre 2005-2008 erforschen die bösartige Erkrankung der Prostata, ein Anteil, der sich auch bei den bis heute meist­zitierten Artikeln findet. Fünf der urologischen Top 10-Artikel behandeln den Krebs der Vorsteherdrüse, ebenso zwei der meistzitierten Reviews. Außerdem unter den Top 10: ein Artikel über Blasenkrebs sowie deren zwei zu Harninkontinenz. Allgemein beschäftigt sich die Urologie mit den harnbildenden und -ableitenden Organen Niere, Blase, Harnröhre und Harnleiter, sowie den männlichen Geschlechtsorganen. Daraus ergeben sich Überschneidungen mit diversen Disziplinen: vor allem mit Pathologie, Onkologie, Nephrologie und Andrologie, jedoch finden sich auch Neurourologen, die etwa die Steuerung der Kontinenz erforschen, sowie Chirurgen in den Autorenlisten; daneben einige Reproduktionsmediziner und Pharmakologen.

Und womöglich werden sich in Zukunft auch vermehrt Ernährungswissenschaftler darunter mischen, sind doch einige Forscher der Auffassung, dass eine der Hauptursachen von Prostatakrebs der überhöhte Konsum von Kuhmilch ist. Ein schönes Argument eines der selbsternannten Experten war, dass Kuhmilch von einer anderen Art stamme, und uns daher nicht gut tun könne. Also Hände weg von Milch, Joghurt, Käse, Kakao, Brot, Nudeln, Pizza sowie dem größten Teil aller Nahrungsmittel des täglichen Lebens!

Besonders die Abgrenzung zu den Krebsforschern war mitunter schwierig, von denen sich einige neben anderen Organen auch intensiv mit Blasen- und Prostatakrebs beschäftigen. Wie immer in unseren Publikationsanalysen sortierten wir hier nach der Präsenz in den einschlägigen urologischen Fachzeitschriften: ein gewisser Anteil der Artikel muss hier veröffentlicht sein, auch als Zeichen dafür, wo die Forscher ihre Leserschaft vermuten.


Starke Gruppen

Ein Blick auf die Liste der 50 bis heute meistzitierten deutschsprachigen Urologen der Jahre 2005 bis 2008 offenbart zweierlei: Zum einen ist das Uniklinikum Hamburg-Eppendorf mit neun Top 50-Forschern um Hartwig Huland (1.), Direktor der Urologischen Klinik, und Guido Sauter (5.), Direktor der Pathologie, bei weitem die stärkste Institution. Zum anderen fallen die starken Schweizer und Österreicher auf: Jeweils acht schafften es unter die Top 50. Besonders die Prostatakrebsforscher von der Innsbrucker Urologie um Direktor Georg Bartsch (3.) stechen hervor. Seine Platzierung ist jedoch insofern mit Vorsicht zu genießen, als er und sein damaliger Mitarbeiter Hannes Strasser Hauptfiguren in einem der größten Forschungsskandale waren, die der deutschsprachige Raum bis dahin gesehen hat (siehe auch „Inkontinenz am Inn“, www.laborjournal.de).

Und auch die Basler können sich sehen lassen. Ihre Forschungsthemen sind breiter gefächert: Von Blasen- und Prostatakrebs über Gabe von Botox gegen Blasenfunktionsstörungen etwa bei Querschnittslähmung, die die Zürcher Neurourologin Brigitte Schurch (41.) untersucht, bis zur futuristisch anmutenden Laservaporisierung der Prostata, wie sie etwa der Baseler Alexander Bachmann (19.) durchführt.

Die topplatzierten Hamburger Urologen haben die Entfernung der Prostata ebenfalls auf dem Plan – Hartwig Huland zählt zu den Experten bei der nervenschonenden Prostataektomie. Ebenfalls wieder mit von der Partie ist einer der Pioniere in Sachen urologischer Schlüssellochchirurgie: Jens Rassweiler (34.), Direktor der Urologie am Heilbronner SLK-Klinikum und Vorreiter der Laparoskopie in Deutschland (siehe auch LJ 6/2011, ab Seite 20).

Und noch etwas fällt auf: Es gibt nur zwei Frauen unter den Top 50 der deutschsprachigen Urologen. Die Zürcherin Brigitte Schurch und Ruth Knüchel-Clarke (10.), Lehrstuhl für Pathologie am Uniklinikum der RWTH Aachen, sind allein unter Männern. Letztere arbeitet unter anderem über die Fluoreszenzdiagnostik von Tumoren.

Oft jedoch hilft nur noch die Entfernung des Tumor-befallenen Organs. „Eines Tages kommt die Zeit, ..., wir helfen, wenn es klemmt, ... damit die Drüse nicht mehr stört“, besingen Jens Rassweiler und die Urochirurgen der Mannheim Uroband die männliche „Angstdrüse“. Und sie müssen es ja wissen.


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Letzte Änderungen: 20.02.2012


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